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Wie Überschuldung entstehen kann Überschuldung kann grundsätzlich jeden treffen. Häufig liegt die Ursache für Überschuldung darin, dass zu wenig oder keine Rücklagen für Rechnungen gemacht wurden, welche quartals-, halbjahres- oder jahresweise anfallen wie z.B. Steuern. Wie es im Detail zur Überschuldung kommen kann, lesen Sie in den folgenden fünf Fallbeispielen. |
1. Mit Schulden die Schulden bezahlen
Das frisch verheiratete Paar Manuel, 29 Jahre alt, und Tanja, 27 Jahre alt, verdienen zusammen CHF 6'000 und geben durchschnittlich CHF 4'000 für Lebenshaltungskosten aus.
Die im dritten Monat schwangere Tanja möchte einen Kinderwagen, Wickeltisch und ein Babybett kaufen. Hierfür bittet sie ihre Eltern um ein Darlehen von CHF 3'000. Vier Monate später verlangen Tanjas Eltern CHF 2'000 ihres Darlehens zurück, weil sie eine neue Kücheneinrichtung einbauen wollen. Da gleichzeitig auch noch die Steuern in Rechnung gestellt werden, lehnen sich Manuel und Tanja bei Freunden 6'000 CHF aus. Nach der Geburt arbeitet Tanja im Service eines Restaurants und gibt ihre Tochter tagsüber in eine Kinderkrippe. Die Kosten der Kinderkrippe kann das junge Elternpaar nicht aufbringen, weshalb Manuels Eltern Ihnen ein Darlehen von CHF 2'500 geben. Die strenge Arbeit und der Stress mit dem Kleinkind lösen bei Tanja psychische Verstimmungen aus, so dass sie nach einiger Zeit ihre Stelle verliert. Manuel und Tanja haben inzwischen knapp CHF 8'000 Schulden und erhalten ständig Anfragen von Freunden und Familie, wann sie das Geld zurückzahlen würden.
Das Paar entschliesst sich eine Schuldenberatungsstelle aufzusuchen. Zusammen mit dem Berater stellen sie einen Sanierungsplan auf, so dass sie ihre Schulden innerhalb von zwei Jahren abbezahlen können. Manuel sagt heute: „Das Problem war, dass wir keine Rücklagen für die Kindersachen und die Steuern gemacht haben. Zudem hätten wir den Kinderwagen auch billiger erstehen können, beispielsweise bei Freunden oder in Second-Hand-Läden. In Zukunft wollen wir bewusster mit unseren Investitionen umgehen und ein Rückstellungskonto eröffnen, um uns abzusichern. So sind wir auch gegen unvorhergesehene Ereignisse gewappnet.“
2. Raus aus der Lehre und rein in den Schuldenfalle
Thomas, 19 Jahre alt, hat soeben seine Schreinerlehre beendet und verfügt über ein monatliches Einkommen von CHF 3'500. Er wohnt noch immer zuhause, wofür er seiner Mutter CHF 300 als Haushaltsgeld abgibt. Zusätzlich kommen CHF 250 für die Krankenkasse und CHF 800 für Ausgang, Kleider und persönliche Bedürfnisse hinzu.
Im August 2008 kauft Thomas einen Occasion Golf GTI für CHF 8’500. Das Geld dafür hat er zur Hälfte gespart und zum anderen von seinen Freunden ausgeliehen. Mit den Benzinkosten, den Versicherungsprämien und zusätzlichen Unterhaltskosten für das Auto entstehen monatliche Mehrausgaben von ca. CHF 600. Anfang Oktober zieht Thomas mit seiner Freundin in eine 3-Zimmerwohnung mit einem Mietzins von CHF 1’800. Für die neue Wohnung kauft Thomas einen LCD-Flachbildschirm für CHF 1'900 und eine Möbelgarnitur für CHF 1'300, die er auf Raten abbezahlt. Nach einer Party fährt Thomas übermüdet nach Hause und streift eine Leitplanke. Thomas ist zum Glück nichts passiert, doch sein Auto muss in die Werkstatt. Für die Reparaturkosten von CHF 4'500 hat er kein Geld zu Verfügung, weshalb er auf die Zahlungsaufforderungen der Garage nicht reagiert. Nach drei Monaten droht ihm die Autowerkstatt mit einer Betreibung.
Thomas lässt sich von einer Schuldenberatungsstelle beraten, mit der er zusammen einen Sanierungsplan für die Abzahlung seiner Schulden ausarbeitet. Im neuen Budget sind auch Rücklagen für Fahrzeugunterhalt und Gläubigerbeträge berücksichtigt. Um seine Schulden abbezahlen zu können, wohnt Thomas wieder zu Hause und sagt zu seiner Situation: „Ich habe gedacht, dass ich mit meinem Lohn meine Anschaffungen zurückzahlen kann. Mit den plötzlich entstandenen Reparaturkosten und der monatlichen Miete geriet ich jedoch ins Schleudern. Ich habe die Möglichkeiten mit meinem neuen Lohn einfach überschätzt. Künftig werde ich einen genauen Budgetplan erstellen, damit ich jederzeit weiss, mit welchen Auslagen ich rechnen muss.“
3. Finanzieller Ruin durch Scheidung
Peter Köppel, 35, ist seit neun Jahren mit Julia verheiratet und Vater von zwei Kindern. Peter arbeitet als Primarlehrer und verdient monatlich CHF 6’300, während sich Julia um Haushalt und Kinder kümmert. Die Köppels mieten für CHF 1'700 pro Monat ein kleines Haus. Die zusätzlichen Kosten belaufen sich monatlich auf CHF 640 für die Krankenkassenprämien der ganzen Familie sowie CHF 110 für die Autoversicherung, während die Lebenshaltungskosten ca. CHF 2’250 betragen.
Im April 2007 kaufen Julia und Peter ein Wasserbett im Wert von 7’800 CHF, für das sie ihre finanziellen Reserven auf dem Sparkonto opfern. Eineinhalb Jahre später kommt es zur Scheidung, und das Budget von Peter ändert sich grundlegend. Die Anwaltskosten der Scheidung in der Höhe von CHF 20'000 Franken bezahlt er in monatlichen Raten von CHF 600. Hinzu kommen monatliche Alimentenzahlungen von CHF 3'600. Nach Abzug von Krankenkassenprämie, Autoversicherung, Rücklagen für die Steuern und den Anwaltskosten hat Peter keinen Rappen für seine Lebenshaltungskosten übrig.
Peter wendet sich in seiner Verzweiflung an eine Budgetberatungsstelle, die mit dem Anwalt eine Reduktion der Raten aushandelt. Peter meint dazu: „Ich bin zwar erleichtert, dass ich zusammen mit der Budgetberatung eine Lösung gefunden habe. Mir ist jedoch klar geworden, wie wichtig es ist, genügend finanzielle Reserven zu haben. Plötzlich für zwei Haushalte statt nur für einen verantwortlich zu sein, kann einen ganz schön aus der Bahn werfen.“
4. Stelle weg – Vermögen weg
Herr Frick, 45 Jahre alt, ist verheiratet und Vater von drei Kindern. Als Dachdecker verdient er CHF 5'500 Franken im Monat, wovon CHF 2'000 für die 5-Zimmerwohnung, CHF 700 für Krankenkassenprämien sowie CHF 2'500 für Lebenshaltungskosten der Familie weggehen.
Ende April 2008 rutscht Herr Frick auf den Dachziegeln aus und stürzt in die Tiefe, wobei er sich die Hüften bricht. Er wird als berufsunfähig erklärt und verliert seine Arbeitsstelle. Trotz Versicherungs- und Sozialhilfeleistungen kann er Ende Jahr seine offenen Steuerschulden von insgesamt CHF 10'000 nicht bezahlen. Das Steueramt leitet schliesslich die Betreibung ein, die aufgrund von Herrn Fricks Zahlungsunfähigkeit zur Pfändung seines Vermögens führt. Zwölf Monate nach vollzogener Pfändung stellt ihm das Betreibungsamt einen Verlustschein aus, der die verbleibende Restschuld (nach Abzug des Pfändungswertes) ausweist. Mittlerweile erhält Herr Frick 50% Invaliditätsrente und arbeitet Teilzeit bei einem Kopierservice, so dass er seine verbleibenden Schulden in kleinen Raten abzahlen kann.
Herr Frick sagt heute: „Wenn man aus unvorhersehbaren Gründen arbeitslos wird, gerät man häufig in Zahlungsschwierigkeiten. Wichtig ist das Gespräch mit den Gläubigern zu suchen, um gemeinsam eine Lösung zu finden. Zudem sollte man sich als Arbeitsloser über finanzielle Fördermöglichkeiten informieren und, falls die Voraussetzungen gegeben sind, Sozialhilfe beantragen.“
5. Wie Unwissenheit zur Überschuldung führt
José ist in die Schweiz eingewandert, um seine zwei Kinder und seine Frau in Portugal finanziell zu unterstützen. Der 44-Jährige arbeitet als Autospengler und verdient monatlich CHF 4’500. Seine Krankenkassenprämie beträgt CHF 300, während er für Wohnung und Lebenshaltungskosten ca. CHF 2'500 ausgibt. CHF 300 schickt er seiner Familie in Portugal.
Im August 2006 verunfallt Josés Frau und muss operiert werden. Um die Behandlungs- und Therapiekosten zu bezahlen, nimmt José einen Kredit von CHF 2’000 mit einer Rate von CHF 100 auf. Als Ende Jahr auch noch seine Mutter an einem Herzleiden erkrankt, bezahlt José seine Raten nicht mehr um das Pflegeheim für seine Mutter finanzieren zu können. Als die Bank anruft und fragt warum er nicht mehr seine Raten zahlt, erzählt José von seiner erkrankten Mutter, die auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Die Bank leitet José an eine Budgetberatungsstelle weiter, welche José um eine Auflistung sämtlicher Einnahmen und Ausgaben bittet, die er für sich und seine Verwandten tätigt. Durch die Budgetaufstellung zeigt sich, dass José zuviel für seine Krankenkasse zahlt.
In der Zwischenzeit läuft Josés Grundversorgung über eine billigere Krankenkasse, so dass er seine Kreditraten wieder bezahlen kann. José meint rückblickend: „Ich versuche mein Geld richtig einzuteilen, doch dass man bei der Wahl der Krankenkasse viel sparen kann, wusste ich gar nicht. Ich bin froh, dass mir die Budgetberatung aufgezeigt hat, wo ich sparen kann und wie ich mein Budget wieder in den Griff bekomme. Die Ratenzahlung an die Gläubiger erledige ich z.B. über Daueraufträge. So weiss ich immer, wie viel Geld mir pro Monat noch zu Verfügung steht.“
Aufgrund des Datenschutzes wurden die Namen der unter „Erfahrungsberichte“ aufgeführten Personen geändert.